Igitt, eine Kakerlake!

 

Die kleinsten von ihnen sind gerade einmal fünf Millimeter groß, die größten Exemplare erreichen jedoch eine Länge von bis zu 10 Zentimetern – die Rede ist von Schaben oder wie sie, fälschlicherweise verallgemeinert, im Volksmund oft genannt werden: Kakerlaken.

Bisher sind 4337 verschiedene Schabenarten bekannt. Nur 35 von ihnen betrachtet der Mensch als Schädling. Und nur eine von den 35 Schädlingsarten wird als Kakerlake bezeichnet, die deutsche Küchenschabe. Als Schädlinge werden in der Regel die Schabenarten eingestuft, welche den gleichen Lebensraum wie der Mensch besiedeln.

 

 

Ekelhaft! - Die Angst vor Schaben

KakerlakenMenschen ekeln sich in der Regel vor Insekten und besonders vor Kakerlaken. Auch andere Tiere, wie zum Beispiel Schweine, die öfter als Menschen mit Schaben in Berührung kommen, ekeln sich vor den kleinen Insekten. Wie so oft in der Natur, ist dieses Ekelgefühl nicht ganz unbegründet. Schaben sind Allesfresser und gelten als Überlebenskünstler. Sie vertragen viel höhere und auch viel niedrigere Temperaturen als der Mensch. Resultierend aus der Tatsache, dass die kleinen Sechsfüßler durch fast jede Ritze passen und stets Alles erkunden was sie umgibt, schleppen Kakerlaken viele Keime und Bakterien mit sich, welche für den Menschen gefährlich sein können. Eigentlich sind Schaben sehr reinliche Tiere, die sich sogar gegenseitig putzen. Doch lässt es sich natürlich nicht vermeiden, Keime zu übertragen, wenn man sich in einem Moment durch den Bioabfall eines Menschen frisst und im nächsten über dessen Küchenvorräte herfällt.

 

 

Faszinierend? - Die Schabe als Überlebenskünstler

Trotz des vielen Hasses und Ekels dem die Kakerlaken von menschlicher Seite ausgesetzt sind, werden sie von vielen Homo Sapiens auch bewundert. Diese Bewunderung findet ihren Ursprung in der Lebensweise der Schaben, in ihrem Körperbau sowie ihrer unglaublichen Fähigkeit selbst extremste Situationen zu überleben.

Schaben leben in Gruppen und entwickeln in selbigen ein Sozialverhalten, welches man bei keiner anderen Spezies vorfindet. Anders als beispielsweise die Bienen, haben die Schaben keine Königin, die für alle den Ton angibt. Sie entscheiden stets im Kollektiv. Auf welchen Wegen dabei der Informationsaustausch stattfindet ist bisher noch weitestgehend unerforscht. Klar ist nur das Gerüche hierbei eine sehr wichtige Rolle spielen.

Am liebsten halten sich die kleinen Fressmaschinen an dunklen Orten auf. Dies ist auch der Grund warum man sie als Mensch nur selten zu Gesicht bekommt. Doch nachts, wenn alles dunkel ist und der Feind schläft, kommen die kleinen Tiere aus ihren Löchern und machen sich über alle Nahrungsmittel her, die sie finden können.

 

Ei Kapseln von SchabenBeachtenswert ist auch der Körperbau der Kakerlaken. Mit ihren sechs Beinen und der arteigenen Gangart, bei der immer 3 Beine den Boden berühren, überwinden die Kakerlaken nahezu jedes Hindernis problemfrei und in Rekordtempo. Jeder der schon einmal versucht hat eine Kakerlake zu zertreten weiß, wie schnell die Tiere rennen können. Die schnellsten Schaben der Welt legen in einer Sekunde das Fünfzigfache ihrer eigenen Körperlänge zurück. Für einen Menschen würde das bedeuten mehr als 80m pro Sekunde zurückzulegen (300 km/h). Hinzu kommt der Fakt, dass die vom Fuß bedrohte Kakerlake nahezu keine Reaktionszeit aufbringen muss, um die Flucht zu ergreifen. Noch bevor das Tier weiß, warum es überhaupt wegläuft, rennt es weg.

Diese Fähigkeit verdanken die Schaben kleinen Härchen, welche sich am Ende ihres Körpers befinden. Kommt etwas mit bedrohlicher Geschwindigkeit auf die Tiere zu (wie zum Beispiel der Fuß eines Menschen) geht dem Objekt ein Windhauch voraus, welcher als Reiz von den Härchen aufgenommen wird. Dieser Reiz gelangt sehr schnell in einen Ganglienknoten, welcher den Beinen des Tiers unverzüglich befiehlt in die Gegenrichtung auszuweichen. Erst nachdem der Reiz diesen Nervenknoten passiert hat, gelangt er ins Gehirn des Insekts. In diesem Moment rennt die Kakerlake aber bereits weg.

 

Wie bereits erwähnt sind Schaben Überlebenskünstler. Sie überlebten Eiszeiten und selbst gegen die modernen Bedrohungen, welche oft der menschlicher Hand entstammen, wissen sich die Kakerlaken zu wehren. Oft können Insektizide, welche benutzt werden um die Kakerlaken zu töten, gerade Mal ein oder zwei Jahre benutzt werden. Denn nach dieser Zeit sind die Tiere bereits immun gegen das Gift oder halten sich aus Erfahrung einfach vom selbigen fern. Auch radioaktive Strahlung scheint den Tieren weit weniger auszumachen als dem Mensch. Als das amerikanische Militär in der Wüste Atombomben testete und man das Gelände hinterher, im Glauben kein Leben mehr anzutreffen, in Strahlenschutzanzügen betrat um Messungen vorzunehmen, wimmelte es nur so von Kakerlaken, welche sich gesund und munter von toten, verstrahlten Tieren ernährten.

 

 

Haben Schaben auch eine nützliche Funktion?

Von einigen Menschen abgesehen, die die Insekten mit Vorliebe essen, sind Schaben vor Allem für Wissenschaft und Forschung von hoher Relevanz. Sie werden bevorzugt als Versuchstiere eingesetzt, da es kaum jemanden gibt dem die Tiere Leid tun. In der Insektizidindustrie gilt beispielsweise der Grundsatz: „Mit einem Mittel das eine Kakerlake umbringt, kann man auch jedes andere Tier töten!“. In den vergangenen Jahren hat die Robotik die Schaben für sich entdeckt. Forscher versuchen die Gangart der Kakerlake auf Roboter zu übertragen, um kleine, robuste und vor Allem wendige Maschinen zu entwickeln, welche in der Lage sind nahezu jedes Hindernis zu überwinden. Diese Roboter sollen dann eingesetzt werden um verschüttete Menschen unter eingestürzten Häusern zu finden. Wie so oft wird die Forschung vor Allem durch das Militär finanziert. Dieses plant eine Verwendung der neuen Technologie in Minensuchrobotern. Es ist nicht so schlimm wenn ein preiswerter Roboter in die Luft fliegt. Immerhin ist das noch besser als den Tod eines Soldaten in Kauf zu nehmen.

Weiterhin versucht man Schabenkolonien mit Hilfe von Miniaturrobotern, welche mit schabeneigenen Dufststoffen präpariert werden, zu unterwandern. Auf diesem Wege wollen es Forscher schaffen die Schaben zu beeinflussen und ihr Verhalten besser zu verstehen.

 

 

Wer mehr über Schaben, Robotik und kulinarische Genüsse erfahren will, sollte sich das folgende Videomaterial zu Gemüte führen.

 

Doku 1


Doku 2

Kommentare

avatar Samy
-2
 
 
ohne panzer sind die tiere echt fast schon schön. so weiß glänzend aber irgendwie auch durchsichtig. gruslig. aber der wunsch drauf einzutreten bleibt bestehen.
avatar kw
-1
 
 
super Artikel! vielen Dank!
Falls Du zufällig noch weiterführende Links parat hast - das wäre noch spannend.
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